Der Schwahl

Schwahl
Schwahl: Gewölbemalerei

Das Wort "Schwahl" bezeichnet im Niederdeutsch-Dänischen einen "bedeckten, kühlen Gang". Es ist ein dreiflügeliger Umgang um einen schönen Innenhof und wurde in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts an den Dom angebaut.

Dieser Kreuzgang gehörte nie zu einem Kloster, möglicherweise ist er für Prozessionen erbaut worden. Die Fresken, um 1330 entstanden, wurden im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, und von Friedrich Olbers 1888-94 freigelegt, restauriert und vervollständigt.

Schwahl
Schwahl: Rötelzeichnung

Die Deckengewölbe zeigen neben Blättern und Blüten phantastische Wesen, sogenannte Drôlerien, Mischwesen, halb Mensch, halb Tier, die musizieren oder auf der Jagd sind. An der Fensterseite ist die Bemalung fast verloren gegangen. Die Bilder an der Wandseite zeigen grossformatige Bilder aus dem Leben Jesu. Sie sind mit roter Farbe auf den weißen Unterrund gemalt, andere Farben sind nicht verwendet worden.
Tierfriese ergänzen die Malereien am unteren Rand.

Die Schwahlmalereien wurden in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts berühmt. Man meinte, mit ihnen beweisen zu können, dass der nordische Mensch schon vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus dort gewesen sein musste. Grund waren die unter dem Kindermord des Herodes abgebildeten Truthähne (der sogenannte "Truthahnstreit"). Allerdings hatte Friedrich Olbers bereits 1921 zu seinen Ergänzungen der Friese geschrieben: "Leider ist mir der Fehler unterlaufen, dass ich den Truthahn aufgenommen habe, der zur Zeit der Entstehung der Bilder bei uns noch gar nicht bekannt war."