Rundgang im St.-Petri-Dom

Dom Grundriss
Petri-Portal

Der Dom St. Petri und Schloss Gottorf sind die Zentren, die durch Jahrhunderte hindurch die Geschichte Schleswigs und der Region bestimmt haben. Im Jahr 948/49 ließ Kaiser Otto I. die Bistümer Ribe, Aarhus und Schleswig errichten, die der Christianisierung Skandinaviens dienen sollten. Damals existierte noch der Fernhandelsplatz Haithabu, wo bereits Ansgar um 850 eine Kirche gebaut hatte. Nach der Zerstörung Haithabus besiedelte man das nördliche Schleiufer, die heutige Schleswiger Altstadt.

Um 1100 wurde mit dem Bau des Domes in Form einer romanischen Basilika aus Granit und Tuffstein begonnen. Aus romanischer Zeit stammt das Petri-Portal (1). Das Giebelfeld zeigt den thronenden Christus, die Symbole der Evangelisten, die Apostel Petrus und Paulus sowie links den Kirchenstifter, möglicherweise König Waldemar I. (1157-82), der ein Dom-Modell mit zwei Türmen in der Hand hat.

Dom Grundriss

Um 1220/30 wurde die Kanonikersakristei(2) am Dom angebaut. Sie diente nach 1567 der Domschule als Hörsaal. Um 1240/50 erhielt das romanische Querhaus(3) seine charakteristischen Spitzkuppeln.

Romanische Löwen-Plastiken(4), die ursprünglich die Domzugänge bewachten, sind später umgesetzt worden: der besterhaltene Löwe befindet sich heute an der Kanonikersakristei, drei weitere füllen die Löwengrube(5), ein Löwe sitzt neben dem Petri-Portal.

Mit der Einwölbung des Langhauses begann der Umbau der Basilika zur gotischen Hallenkirche (6).

Ende des 13. Jahrhunderts erweiterte man den Hohen Chor (7) und malte ihn mit Fresken (8) aus. Um 1300 hat der Dom seine heutige Innenraumgestalt erhalten.

Im 14. Jahrhundert baute man den Prozessionsgang, der seit alters Schwahl (9) heißt ( = niederdeutsch-dänisch: kühler Gang). Seine harmonische Architektur und die kostbare Ausmalung – Rötelzeichnungen vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu – machen den Schwahl zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. Im Schwahl fanden evangelische Gottesdienste statt, nachdem der Bischof lutherischen Predigern den Zugang zum Dom verboten hatte. Die Schleswiger Bürger nutzten das Gebäude bis ins 19. Jahrhundert als Markthalle. Heute findet regelmäßig zwischen dem 2. und 3. Advent der „Schwahlmarkt“ statt, ein überregional bedeutender Kunsthandwerkermarkt.

Maria
Dreikönigsgruppe: Maria

Ende des 15. Jahrhunderts entstand die Sakristei, die als Fürstengruft (10) Bedeutung erlangte. Im Untergeschoss ruht König Friedrich I. von Dänemark mit seiner zweiten Frau Sophie und weiteren Familienangehörigen. Als 1659 die Gruft belegt war, beauftragte Herzog Christian Albrecht den bedeutenden Bildhauer Artus Quellinus d. Ä. aus Amsterdam, auch das Obergeschoss als Grablege herzurichten.

Teile der mittelalterlichen Ausstattung des Domes sind bis heute vorhanden. Dazu zählt die Dreikönigsgruppe (11) mit ihren lebensgroßen Figuren aus dem späten 13. Jahrhundert und die Kreuztragungsgruppe (12) aus dem 15. Jahrhundert.

Ein anonymer Meister schnitzte Anfang des 16. Jahrhunderts Chorgestühl (13) und Triumphkreuz (14). Zur mittelalterlichen Ausstattung gehört auch die Bronzetaufe (15) des Gießers Ghert Klinghe von 1480.

Mit zwei epochemachenden Werken holländischer Renaissancekunst hielt das Zeitalter der Reformation Einzug in den Dom: Cornelis Floris in Antwerpen schuf 1551-55 das Marmorgrabmahl (16) für König Friedrich I., das bedeutendste Beispiel seiner Art im Land. 1560 stiftete der Domherr Caeso Eminga aus Groningen die reichgeschnitzte Renaissancekanzel (17), Vorbild für eine Reihe von Kanzeln im norddeutschen Raum und auf der Halbinsel Eiderstedt.

1666 ließ Herzog Christian Albrecht den Bordesholmer-Altar (18) im Hohen Chor aufstellen. Herzog Friedrich (1471-1533) und seine Frau Anna wollten in Bordesholm begraben werden und hatten den Altar gestiftet, den Hans Brüggemann 1514-21 anfertigte. Noch vor Fertigstellung starb Herzogin Anna und wurde in der Bordesholmer Stiftskirche beigesetzt. Ihr Mann bestieg den dänischen Thron und wurde nach seinem Tod im Dom St. Petri beigesetzt. Deshalb ließ Herzog Christian Albrecht den Altar nach Auflösung des Klosters Bordesholm an das Königsgrab überführen. Von Brüggemann stammt auch der mächtige Christophorus (19) am Petri-Portal.

Sieg über die Finsternis: Detail
Sieg über die Finsternis: Detail

Im 17. und 18. Jahrhundert stiftete der gottorfische Beamten-Adel zahlreiche Gedenktafeln und Gemälde für den Dom. Zwei Arbeiten des Barockmalers Jürgen Ovens verdienen Erwähnung: Die Hl. Familie mit dem Johannesknaben von 1669 (20), die sog. Blaue Madonna, und das allegorischen Gemälde Sieg des Christentums über die Finsternis (21) auf dem vom Kanzler Kielmannseck gestifteten Altar.

Von 1888 bis 1894 erlebte der Dom die letzte große Ausstattungsperiode. Der preußische König ließ den 112 m hohen neugotischen Westturm(22) aufmauern, die Treppentürme wurden erhöht, der barocke Dachreiter durch einen neugotischen ersetzt, das Dominnere tauchten 33 Farbglasfenster in ein völlig neues Licht.

Werke des 20. Jahrhunderts sind in der ehem. Ahrenstorf-Gruft (23) aufgestellt: Die Anbetung der Hirten von Hans Grohs (1928), das Marien-Triptychon von Max Kahlke (1927) und der Judaskuss von Barthel Gilles (1965). Der Bildhauer Hans Kock schuf Ende des 20. Jahrhunderts Altartisch (1973) und Predigtpult (1991) im Hohen Chor.

2010 sanierte die Berliner Orgelbaufirma Schuke die Grosse Domorgel (25) von Marcussen und erweiterte sie auf 65 Register auf vier Manualen und Pedal. Der Orgelprospekt von 1701 blieb erhalten.